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Lionel Loueke Trio
Magische Töne am magischen Ort
 
Gitarrist Lionel Loueke eröffnet Musiksparte des Passauer Eulenspiegel-Festivals

Es gibt nichts, was Musik nicht kann. Wenn es gute Musik ist. Dann berührt sie das Innerste, sie peitscht auf, sie lässt Tränen fließen, sie macht froh, erhaben, traurig, aggressiv oder tief gelassen. Letzteres war am Mittwochabend der Fall beim Auftakt zu einer neuen Kulturreihe im Zirkuszelt des Passauer Eulenspiegel-Festivals an der Ortspitze. Entstanden ist „Jazz im Zelt“ aus einem Musterstück von Kooperation zwischen dem Passauer Jazzclub Café Museum, dem oberösterreichischen Inntöne-Festival und eben Till Hofmanns Eulenspiegel-Fest.
Gelassenheit erfüllt das Zelt mit den Sternen an der Decke, als der afrikanische Gitarrist Lionel Loueke seine Gäste begrüßt: „Ich weiß nicht, ob ich schon einmal hier war. Vielleicht war ich schon einmal hier.“ Was nicht den geringsten Unterschied macht, wenn einer so dermaßen da ist, wie dieser Mann aus dem Staat Benin. Die machtvolle Energie, die er verströmt, speist sich weder aus Lautstärke noch aus Impulsivität, sondern aus einer einzigen Quelle: Präzision. Feinmechaniker sind sie alle drei, Bandleader Loueke, Bassist Massimo Biolcati und der Drummer Ferenc Nemeth. Und außerordentliche Herzensmusiker.
Was muss in einem Menschen vorgehen, der anderthalb Stunden lang seine Hände dermaßen apart und unerhört über die Gitarre bewegt, dass er jeden Ideen-pro-Sekunde-Wettbewerb gewinnen würde. Läufe wie Blitze, die dennoch keine Spur gehetzt klingen, Akzente, Schnörkel, Soli in afrikanisch geprägter Harmonik. Dazu Rhythmen, die ein Europäer wohl nur mit ausgiebigem Musikstudium und hartem Training mitklatschen könnte, die aber alle paar Takte so selbstverständlich variieren, dass niemand das bewusst wahrnimmt. Wenn Lionel Loueke dann noch mit einem Blatt Papier zwischen Korpus und Saiten seinen Klang so manipuliert, dass die Töne an den Rändern archaisch ausfransen, dann wird ein einzelner Musiker zugleich zur Gitarre, zum Bass, zu Orgel und Percussion. Wobei auch die Tontechniker ein Riesenlob verdienen für einen Sound, der prägnant, druckvoll, klar und völlig unaufdringlich ist.
Doch Loueke spielt ja nicht allein, sondern mit einem gigantisch agilen Bassisten, der es auch versteht, ein bewusstes Saitenschnarren als Rhythmus-Effekt einzusetzen. Und mit einem Drummer, der swingt, klackert, Offbeats wie Regentropfen fallen lässt, der in einem Takt mindestens fünf Überraschungen versteckt. Wehe, die drei fangen an, sich zu necken. Wehe, Loueke stimmt dazu noch seinen wohligen Baritongesang an, zu dem er zugleich die Zunge am Gaumen schnalzen und die Lippen ploppen lässt. Dann vermengt sich Magie des Ort, an dem sich drei Flüsse treffen, mit einer anders gearteten und doch verwandten Magie der Musik.
Man kann diskutieren, ob mehr als die rund 100 Besucher zur Premiere gekommen wären, hätten die Veranstalter Jürgen Waldner und Paul Zauner einen bekannteren Musiker oder einen rockigeren Sound an den Anfang gestellt. Nicht diskutieren braucht man das Niveau. Wie im Café Museum oder beim Inntöne-Festival, so auch bei „Jazz im Zelt“: Man darf ihnen vertrauen, dass sie nur das Beste anbieten.
 
Datum: vom 03.07.2009
Publikation: PNP
Autor/-in: Raimund Meisenberger
 
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