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Das Zeltfestival ist stabil
 
PNP-Interview mit Eulenspiegel-Veranstalter Till Hofmann

Noch bis Sonntag läuft das Eulenspiegel-Festival. Musik und Kabarett im Zelt und der Biergarten davor ziehen wieder viele Besucher an den wohl schönsten Veranstaltungs-Platz der Stadt. Tagtäglich an der Ortspitze ist Veranstalter Till Hofmann. Die PNP hat ihn zur laufenden Veranstaltung, zu neuen Ideen und zur Stimmung nach dem Hochwasser gefragt.

  Herr Hofmann, das 19. Zeltfestival geht langsam in den Endspurt. Sind diese zwölf Tage Stress oder Genuss?

Till Hofmann: Das ist kein Stress. Das Programm steht ja im Vorfeld, und das Improvisieren, wenn noch etwas dazukommt, macht Spaß. Diese zwei Wochen, die ich dann hier bin, sind für mich wie Heimaturlaub. So lange am Stück schaffe ich es unterm Jahr sonst ja nicht in Passau zu sein. Also radle ich an den Stausee, lese Zeitung in der Cafébar und treffe viele Freunde. Das ist wunderbar. Ich genieße diese Zeit sehr.

  Im nächsten Jahr feiert das Zeltfestival 20. Geburtstag. Was haben Sie da vor?

Hofmann: Das weiß ich noch nicht. Nun machen wir erst mal dieses Festival zu Ende, dann schauen wir weiter. Aber ein paar außergewöhnliche Schmankerl werden zum Jubiläum schon dabei sein.

  Abgesehen davon, haben Sie noch andere Ideen und Pläne für Passau?

Hofmann: Was wachgeküsst werden müsste, ist das Paukner-Haus in der Altstadt (Große Messergasse 6). Immer wenn ich daran vorbeigehe, denke ich mir: Ist das schön! Aber das Gebäude verfällt. Dieses Projekt müsste eigentlich in Angriff genommen werden, von wem auch immer, das muss ja nicht zwingend ich sein. Ich könnte mir dort zum Beispiel eine Mischung aus Wohnen, Theater und Galerie vorstellen. Nichts Lautes, Verkitschtes, kein Knalleffekt, sondern etwas Schönes, Leises, das zur Altstadt passt. Und was endlich geöffnet werden müsste sind die geschlossenen Seminargärten am Domplatz. Da werden die Bürger ausgesperrt und das finde ich echt hart. Es müsste ein Park für die Bürger der Stadt sein, wo man sich einfach ausruhen kann, ein paar Bänke und Stühle reinstellt, kleine klassische Konzerte macht. Das würde ich mir sehr wünschen.

  Sie sind ja die meiste Zeit in München, wie geht es Ihnen, wenn Sie jetzt, nach dem Hochwasser, durch Ihre Heimatstadt gehen?

Hofmann: Gut. Das ist immer noch meine Stadt, in der ich mich total wohlfühle. Natürlich ist das im Moment eine gespaltene Angelegenheit: Da ist zum einen die schöne Stadt und zum anderen die verletzte Seite. Genau deshalb ist es jetzt wahnsinnig wichtig, dass man sich auf die Hinterbeine stellt. Jetzt ist das Land in der Pflicht, die Stadt zu schützen. Die Menschen in Passau brauchen nun ein positives Signal. Es müsste eine radikale Renaturierung stattfinden. Aber diese große Lösung kann die Stadt nicht leisten. Es müsste eine klare Forderung nach einem Masterplan geben.

  Sie waren nach dem Hochwasser ja auch bei den Aufräumarbeiten dabei. Was spüren Sie jetzt, mit ein paar Wochen Abstand, für eine Stimmung bei den Bürgern der Stadt?

Hofmann: Während der Räumarbeiten war die Stimmung ganz toll, die Leute haben zusammengeholfen. Nun habe ich das Gefühl, dass sich eine gewisse Resignation und Depression eingestellt hat. Die Angst vor dem nächsten Hochwasser ist da. Viele Leute wissen nicht, wie es finanziell weitergeht, weshalb auch viele Gastronomen nicht aufmachen können. Zurzeit haben zu wenige Lokale auf, deshalb ist es gerade wichtig, dass die Leute viel in die Altstadt gehen. Das, was da ist, muss man unterstützten, denn die Altstadt ist das Filetstück der Stadt, davon lebt Passau.

  Wie Sie schon sagten: Viele Kneipen, Lokale und Kulturbetriebe haben noch geschlossen oder nur einen Notbetrieb. Die Passauer sind in ihren Möglichkeiten derzeit eingeschränkt. War die Lust auf das Zeltfestival mit den Veranstaltungen und dem lauschigen Biergarten dazu heuer deshalb größer als sonst?

Hofmann: Das Zeltfestival ist stabil. Ich denke, es ist in erster Linie eine Wettersache, ob die Leute kommen oder nicht. Dieses Mal hatten wir einfach totales Glück. Während des Hochwassers hat keiner Karten für das Festival gekauft, aber dann lief es doch wieder gut. Lustig ist, dass auch viele wegen der Schiffs-Kunstinstallation an die Ortspitze kommen. Manche machen Brotzeit drin oder setzen sich einfach zum Entspannen und Lesen rein. Wir haben das Schiff auch schon bespielt, zum Beispiel mit einem 18-köpfigen Orchester. Es sind auch diese kurzfristigen spontanen Dinge, die bei den Leuten sehr gut ankommen. Wir haben heuer mehr als doppelt so viele Liegestühle und Hängematten gebraucht. An die Ortspitze ist mediterranes Leben eingekehrt, die Menschen sitzen ganz locker direkt an den Wegen, trinken Wein oder haben Brotzeit dabei. Ich habe den Eindruck, dass sich die Studenten auch mehr unter die Altstädter gemischt haben als die Jahre davor.

  Wissen Sie schon, wie es mit dem Schiff, der Hochwasser-Installation, nach dem Festival weitergeht?

Hofmann: Zum Erhalt des Schiffs dort wird wohl im Stadtrat ein Antrag gestellt.


Das Interview führte Elke Zanner.
 
Datum: vom 19.07.2013
Publikation: PNP
Autor/-in: Elke Zanner
 
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