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Herbert und Schnipsi
Zeltfestival: Spitzenkunst an der Ortspitze
 
Claudia Schlenger und Hanns Meilhammer alias Herbert & Schnipsi begeisterten 350 Zuschauer - Keller Steff & Band in halb leerem Zelt

Seit Donnerstag läuft an der Ortspitze das Zeltfestival. Noch bis 17. Juli treten dort namhafte Kabarettisten und Musiker auf. Am Wochenende waren dies unter anderem das Komiker-Ehepaar Herbert & Schnipsi sowie der Mundart-Musiker Keller Steff mit seiner Band.


Herbert & Schnipsi
350 Zuschauer haben am Samstagabend im Eulenspiegelzelt Tränen gelacht. Claudia Schlenger und Hanns Meilhammer alias Herbert & Schnipsi strapazierten mit ihrem urkomischen, genial blöden Kabarettprogamm „Weil wir uns net geniern“ die Lachmuskeln der Besucher.
Auf packende, witzige, hintergründige Weise spielten die beiden Komiker schräge Sketche über „Mann und Frau“ oder „Ehe und Alltag“. Während sie sich als sympathisch lächelnde, ständig meckernde, besserwisserische Ehefrau gibt, mimt er den liebenswert-dodeligen Gatten.
Der ganz normale Wahnsinn zieht sich wie ein roter Faden durchs Programm. Die Auszahlung seiner Lebensversicherung stellt Herbert vor ein echtes Problem: Das Haar wurde dünner, die Nase länger. Er ist alt geworden. Schnipsi hat mit dem Alter kein Problem. Ihre „Batzlaugen“ und „Hängebacken“ würden ihr andere sogar neiden. Aber auch „Lätschn-Liften“ ist möglich.
Zu den Höhepunkten des kurzweiligen Abends zählte die skurrile Szene mit der Todesanzeige von Herbert Haberkorn alias Hanns Meilhammer in der Zeitung. Herbert hat alle Hände voll damit zu tun, die trauernden Freunde von seiner Leibhaftigkeit zu überzeugen, wenngleich manch menschliche Schwäche zu Tage tritt. Karle möchte so gerne die arme Witwe trösten und auch der Peppi, der gleich einen Kranz aus Weißwürsten und Brezen bestellt hat, will die Beerdigung auf alle Fälle feiern.
Nicht minder absurd und pointenreich ist die Geschichte mit dem Weihnachtsbraten in der Mülltonne. Weil der „stinkende“ Fasan an Heiligabend doch auf den Teller soll, wühlen die beiden in der Tonne nach ihm. Genauso schräg ist das Outfit der beiden Spieler, das an Nachkriegskleidung erinnert.
Großartig und mitreißend sind die Lieder zu den Stücken, welche die Akteure auf abenteuerlichen Instrumenten vortragen, zum Beispiel auf riesigen und winzigen Orgelpfeifen.
Klaus Reichardt präsentiert nicht nur fulminantes Klavierspiel. Er ergänzt das Komiker-Duo gelungen, wenn er die Weihnachtsbraten-Suchenden als Penner-Kollegen begrüßt oder den mitleidvollen Bürger mimt, der den armen „Müllmenschen“ einen Fünfziger zusteckt.
„Sauguat blöd“, fand ein Zuschauer. Hinter den Sketchen stecke viel wahres Leben, sagten andere. Das gesamte Publikum kommentierte den wunderbaren Abend immer wieder mit kreischendem oder herzhaftem, schallendem Lachen.
Tosender, langanhaltender Applaus war den beiden Künstlern sicher. Mit drei Zugaben, darunter ein starkes „Witzeseminar“ und das Lied „Monika“, die Liebeserklärung eines beeindruckend gemimten Trunkenbolds an seine nicht minder faszinierend gespielte sichtlich pikierte Gattin, verabschiedeten sich Herbert & Schnipsi von den begeisterten Zuschauern, die sie längst in ihr Herz geschlossen haben.

Keller Steff & Band
Am Abend davor hatte der Keller Steff das Zelt genauso fest im Griff wie seine Akustische. Der Nachwuchs-Söllner aus dem Chiemgau bewies mit seinen drei Mitstreitern, dass zwei Gitarren, ein Kontrabass und ein Schlagzeug reichen, um Rock-Atmosphäre zu erzeugen. Erst hart, dann zart gab der „Bulldog-Fahrer“ alles, machte mit seiner erdigen und ehrlichen Musik klar, warum La Brass Banda den Keller Steff zu ihrer Vorband auserkoren hat, der die Meute warm spielt für ihren Bayern-Ska.

„Do brauchst an Bulldog-Fahrer, der sei Handwerk ko“ - die Textzeile aus Kellers zweitbekanntestem Lied bekommt damit eine schöne, zweite Bedeutung.
Vier Mann, vier Instrumente? Nicht ganz. Vier Mann, fünf Instrumente waren zeitweise im Arbeitseinsatz, um nach zwei Stunden dem ersehnten Höhepunkt zuzustreben. Bei „Kaibeziang“ tanzte das Zelt endgültig. Platz genug hatte jeder, denn es war nur halb gefüllt. Zu verlockend waren offenbar die vielen anderen Angebote der Kunstnacht, die die Altstadt so fest im Griff hatte wie der Keller Steff seine Akustische.

  
 
Datum: vom 11.07.2011
Publikation: PNP
Autor/-in: Franz Danninger
 
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