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Tills Kleinkunst-Imperium hat sich so ergeben
 
Als Schülersprecher in Passau holte Till Hofmann einst Bruno Jonas ans Gymnasium. Heute ist er Chef der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, managt LaBrassBanda, expandiert nach Wien und will jetzt im Glasdorf Riedlhütte ein Festival aufziehen. Mit unermüdlicher Energie arbeitet er an seinem Kleinkunst-Imperium.
Eine atemberaubende Geschichte . . .

Hausfrauenpsychologisch würde man vermuten: Der Mann muss ein gewaltiges Defizit haben. Irgendeinen so himmelschreienden Mangel, dass er immer noch mehr braucht. Noch mehr Arbeit, noch mehr Theater in noch mehr Städten, noch mehr Festivals, noch mehr Künstler um sich rum. Die Leute reden schon:

Inzwischen sechs Münchner Kulturplätze

Der Till, des is a Hund! Aber auch: Der muss ja stinkreich sein, anders gibt’s des ned! „Schmarrn“, sagt er selbst. Wer jetzt auf eine Erklärung wartet, hat wahrscheinlich noch nie mit Till Hofmann gesprochen. Denn noch niederbayerisch-prägnanter lässt sich kaum formulieren: „Eh“ und „Ah geh“, „So was mach i ned“ und „Des probier ma!“ Schon weiß jeder, woran er ist bei dem immer gleich jugendlich wirkenden Kulturmanager, der am 16. Oktober 1970 in Passau geboren wurde und der sich seit Anfang der 90er ein Kleinkunst-Imperium aufgebaut hat, dass ein Atemzug nicht mehr reicht, um es zu beschreiben.
Also tief Luft holen: Schon mit 17, als Schülersprecher am Passauer Gymnasium Leopoldinum, holt er Bruno Jonas, ebenfalls eingeborener Passauer, zu einem Kabarettabend an die Schule. Später - offiziell studiert Hofmann Romanistik in Passau - begleitet er Jonas als Tourneetechniker und organisiert Auftritte für Hans Söllner und Ottfried Fischer. Zwischendurch ein zwangsweiser Umzug in die Kaserne nach Bogen, Gewissensprüfung, Zivi im Klinikum Passau, wieder Studium, Lehramt Hauptschule diesmal, wieder mit Jonas auf Tour. Ausgerechnet als er 1996 gerade den Ausbildungsplatz an der Krankengymnastikschule Deggendorf sicher hat, bietet ihm Jonas an, das Münchner Lustspielhaus als Pächter zu übernehmen. Jonas hatte das Haus mit Wolfgang Nöth, damals Münchner Konzerthallenmeister, geführt, jener stieg aber aus, um den Kunstpark Ost zu eröffnen. 2001 steht die Lach- und Schießgesellschaft vor der Schließung, Dieter Hildebrandt sucht Rat bei Jonas, der fragt Hofmann - plötzlich führt der Passauer die zwei wichtigsten Kleinkunstbühnen der Landeshauptstadt. Besser gesagt: Er macht sie wieder dazu.
Kurz durchschnaufen, und weiter: Hofmann eröffnet in München nach und nach die Kneipe „Vereinsheim“, das „Café Ringelnatz“, das „Stadttheater Oblomow“, wo er den Kleinkunstnachwuchs, Lesungen und Off-Theater pflegt, er bespielt mit seiner zu Schulzeiten gegründeten Agentur „Eulenspiegel Concerts“ das Audimax und den Circus Krone und seit 1995 diverse Zeltfestivals, in Passau, in Burghausen, in Regensburg und in Haar bei München.
Es geht in den Sprint: Anfang 2011 beschleunigt Till Hofmann noch einmal: Seit Januar ist er Mitbetreiber des neu eröffneten Kabaretttheaters „Stadtsaal“ im Wiener 6. Bezirk - „Das wird nicht leicht, aber das muss man einfach drei, vier, fünf Jahre durchhalten, dann läuft das.“ Seit Mai hat er seine eigene Galerie, nach einem historisch überlieferten Schwabinger Bohemien „Truk Tschechtarow“ benannt, die Ehre der Erstausstellung wurde dem Passauer Alois Jurkowitsch und seiner „Hausmeisterkunst“ zuteil - Objektkunst, die BAP-Sänger Wolfgang Niedecken und Hubert von Goisern bei der Vernissage veranlassten, Jurkowitsch zum „Beuys von Niederbayern“ zu adeln.

„Event-Gsindl mit 400-Euro-Jeans“

Warum in aller Welt auch noch eine Galerie? Hat sich so ergeben, sagt Hofmann. Er hat halt zufällig im „Ringelnatz“ gehört, dass der „gschleckte Immobilienheini“ am Nebentisch in dem Lampengeschäft direkt neben der Lach- und Schießgesellschaft sein Büro einrichten will. Hofmann klingelt bei den über 90-jährigen Inhabern, die sich endlich zur Ruhe setzen wollen, verhandelt, übernimmt den Laden, renoviert, eröffnet und träumt davon, mit dem großen Cartoonisten Rudi Hurzlmeier, der zurzeit in der Galerie ausstellt und der zufällig auch in Niederbayern geboren wurde, ein Karikaturenmuseum in München aufzuziehen. „Der Münchner Trend geht grad zur temporären Galerie im Pasinger Waschsalon“, sagt Hofmann. „Da geht dann das Event-Gsindl mit Hornbrille und 400-Euro-Jeans hin und findet es ganz authentisch und erdig. Furchtbar!“ Da hilft er lieber mit, dass Schwabing wieder Künstlerviertel wird, und engagiert sich in einer Bürgerinitiative gegen Luxussanierungen, die das soziale Gefüge bedrohen.
Noch Luftreserven vorhanden?Okay: Sozusagen nebenbei hat Till Hofmann die Chiemgauer Band LaBrassBanda in vier Jahren zum erfolgreichsten Musikexport Bayerns gemanagt (siehe Artikel unten). Hat sich so ergeben. Genauso wie seine Plattenfirma „Millaphon Records“, an der auch der Rosenmüller-Filmkomponist Gerd Baumann und der frühere FC-Bayern-Profi, passionierte Musikliebhaber und langjährige Hofmann-Freund Mehmet Scholl beteiligt sind. Und genauso hat es sich ergeben, dass der Musikjournalist Josef Winkler seine in der ersten Ausgabe längst ausverkaufte Zeitschrift „Muh“ für „bayerische Aspekte“ in Till Hofmanns Räumen in München schreibt. Zu den Herausgebern zählt auch ein gewisser Stefan Dettl, seines Zeichens Trompeter der Till Hofmann nahe stehenden Band LaBrassBanda. „Aber mit der Zeitschrift hab ich eigentlich nix zu tun“, sagt Hofmann.
Fast wird einem schwindlig, wenn man Till Hofmanns Geschichte erzählt. Wie rastlos muss erst der Mensch sein, der sie jeden Tag lebt? „Der Eindruck ist falsch, ich bin kein Workaholic. Meine Hauptarbeit ist eigentlich im Café sitzen“, sagt Hofmann. Lächeln seine Augen jetzt aus Höflichkeit, aus Ironie, oder weil er tatsächlich gerade in aller Gelassenheit beim Interview im Café sitzt?

Ein Unternehmen mit 100 Mitarbeitern

„Ich hab in jedem Laden eigentlich zwei Leute, mit denen ich mich ab und zu zusammensetze, und dann wickeln die das ab.“ So einfach? „Ja, ich kann mich halt auf die verlassen und die können sich auf mich verlassen. Man muss einfach viele Sachen anreißen und dann läuft’s wieder.“ Achtzig Prozent seiner Arbeit sei entscheiden, improvisieren, Probleme lösen.
Für den Mitarbeiter-Wiesn-Ausflug letztes Jahr hat er 50 Plätze reserviert, 100 Leute kamen, 40 davon sind fest angestellt: Till Hofmann, das Kulturunternehmen. „Ich bin kein BWLer, aber ich hab seit 1996 eine solide Buchhalterin, die den Laden im Griff hat“, sagt er. „Und so spekulatives Zeug mach ich nicht. Wenn was in den Graben geht, dann ist das schleichend, dann seh ich das über ein Jahr. Wenn ich am Automaten nix mehr krieg, dann muss ich mal nachfragen.“ Und während mancher Kollege nach immer mehr Förderung schreit, sagt Hofmann: „In München gibt’s keine Förderung für Kabarett - und das find ich auch richtig. Die Leute zahlen relativ viel Eintritt und der Aufwand ist relativ gering: Der Künstler kommt, du steckst das Mikro ein, los geht’s.“
„Nein ist ein weiches Wort, das spart Ärger“
Mit solchen Sätzen macht man sich nicht ausschließlich beliebt. Es soll sogar Veranstalter geben, die Hofmann, dem die Journalisten so gern „Lausbubencharme“ attestieren, einen knallharten Geschäftsmann nennen. „Knallhart? Kann ich nicht beurteilen. Wenn ein ,Nein‘ hart ist, dann stimmt das vielleicht. Aber ‚Nein‘ ist ein weiches Wort - das spart einen Haufen Ärger, wenn man mit jemandem nicht zusammenkommt. Ein Irgendwie gibt’s halt nicht. Irgendwie is immer ein Schmarrn.“
Bleibt nur noch die Frage: Warum macht dieser Mann das alles? Und über die Jahre drängt sich genau eine Antwort auf: Till Hofmann ist nicht rastlos, er ist das Gegenteil. Er ruht auf einem tiefen Urvertrauen, im Vertrauen auf seine Fähigkeiten und auf seine Partner. Selten trifft man einen, der so exakt genau das zu tun scheint, was er tun will. Und Hofmann will Dinge möglich machen. „Dass da immer wieder Fehler passieren, is klar. Du darfst halt nicht hadern“, sagt er.
Aus dieser Zuversicht heraus brachte Hofmann jetzt das Kunststück fertig, dass Studentenchor und Innstädter Männerchor beim Festival „JuniWiesn“ an der Passauer Uni zusammen „Griechischer Wein“ schmetterten - ein bis dato unvorstellbarer Akt der „Völkerverständigung“.
Und dann wäre da noch das Projekt Riedlhütte: „Da steht eine alte Schmiede mitten im Ort, die ich grad herrichte.“ Die 120 Quadratmeter-Werkstatt kriegt eine Bühne, Licht, Ton, unters Dach werden Schlafzimmer gebaut - für intensive Probezeiten von Theatergruppen und Bands. „Und vielleicht würde es nach dem Versetzen eines ganzen Dorfs in die Arbeitslosigkeit nach ein paar hundert Jahren Glashütte seitens des Edelmanns Ridel aus Kufstein passen, in dem Ort ein kleines Literatur-Festival zu versuchen.“
Wäre doch gelacht, wenn sich da nicht irgendwas ergibt . . .

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Till Hofmanns „Eulenspiegel-Festival“ an der Passauer Ortsspitze beginnt am Donnerstag, 7. Juli, und dauert bis 17. Juli. Info unter: www.eulenspiegel-passau.de.
 
Datum: vom 02.07.2011
Publikation: PNP
Autor/-in: Raimund Meisenberger
 
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