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La Brass Banda
LaBrassBanda sorgt für „italienische Verhältnisse“
 
Konzert des Chiemgauer Quintetts wird zum Blasmusik-Fest - Ausnahmezustand auf dem Residenzplatz mit Unterhosengirlande und Dachpartys


Irgendwo muss hier ein Magnet sein. In allen Altstadtgassen strömen Menschenmengen gen Residenzplatz: eine kleine Völkerwanderung der Jungen und Sich-jung-Fühlenden hin zu einer Band aus Oberbayern, die sich in den zwei Jahren seit ihrer Debüt-CD mit Mundarttexten, Trompete, Posaune, Tuba, E-Bass und Schlagzeug in die höchsten Sphären der Fan-Verehrung gespielt hat. Es spielen LaBrassBanda - und die Chiemgauer brachten am Freitagabend „italienische Verhältnisse“ ins „bayerische Venedig“.

Kinder tanzen auf dem Marienbrunnen, die anliegende Pizzeria verkauft ihre Ware außer Haus, zwischen zwei Fenstern hängt eine Girlande von roten Slips - passend zum Lied „Rotes Hoserl“, in dem eine Nixe aus dem Badesee steigt: „Etz is sie do, dunkle Haut und schwarze Haar, außer ihrem roten Hoserl hod sie gar nix o. Da da da da da, da da . . .“ Der Regen hört auf, auf den Dächern steigen Partys, auf dem Balkon der Bischofsresidenz fließt der Sekt, in den Wohnungen rings um den Platz stapeln sich Zaungäste - das Konzert kommt kostenlos zu ihnen ins Wohnzimmer. Rund 3000 Besucher, zahlende und schnorrende, hören dem Quintett zu, schätzt Veranstalter Till Hofmann. „Ich glaube, die Mehrheit der Anwohner hat einen schönen Abend gehabt“, sagt Hofmann. „Es ist einfach schön zu sehen, was da an Leben sein kann in dieser außergewöhnlich schönen Stadt.“ Etwas sehr viel Leben für den Geschmack einiger Anwohner, die sich vorab wenigstens einen Brief des Veranstalter im Postkasten gewünscht hätten - damit man weiß, womit man zu rechnen hat. „Das ist eine berechtigte Kritik“, gibt Hofmann zu. „Das nächste Mal kriegen vorher alle einen Flyer.“

Die Vorgruppen Pleasant Revolution und Keller Steff packen ein, jetzt ziehen die Helden in die Arena - geleitet von über 30 Bläser aus der Region, die am Nachmittag noch das balkanartige „BrassBanda“-Motiv geübt haben und jetzt in Schleife spielen, bis die Band die Bühne erklommen hat. Ein Ritual, das wohl nicht ganz zufällig an die Eskorten-Kinder beim Fußball erinnert. Ab diesem Zeitpunkt gibt es nur noch Vollgas: Trompeter und Sänger Stefan Dettl übernimmt die Balkan-Melodie, nur eben im doppelten Tempo. Schlagzeugsolo im ersten Lied, weißes Blitzlicht zuckt, LaBrassBanda kann und ist vieles. In erster Linie ist es Party.

Der schon unverwechselbare, stumpf-plärrende Bläser-Sound platzt hervor. Eine gute Entscheidung der Band, nur auf uralten Billiginstrumenten zu spielen, sonst klänge die Band am Ende noch wie ein philharmonisches Ensemble. Schließlich ist die Truppe akademisch ausgebildet, das technische Niveau von Dettl, Oliver Wrage (Bass), Manuel da Coll (Drums), Manuel Winbeck (Posaune) und Andreas Hofmeir an der Tuba ist atemberaubend. Letzterer spielt Basslinie und Jazz-Solo gleichzeitig, die ganze Band ist ein Präzisionsapparat, der in diesem Fall eben auf Tanzen programmiert ist.
Sogar wer alle Nummern auswendig kennt, kriegt Neues geboten: LaBrassBanda zerlegen ihre Lieder, ändern den Groove, bauen in ihren Funk-Raggae-Pop zig Zitate der Popmusik von Maceo Parker und Captain Future bis Daft Punk ein und bringen mit ihrem Ehrgeiz, selbst High-Speed-Bands wie Fanfare Cocarlia zu überholen, die Tanzwilligen an ihre Zappelgrenzen. Am Ende Riesenjubel, die Band thront auf dem Balkon der Residenz - ein heldenhafter Abgang in eine vielleicht längere Passau-Pause. Manager Till Hofmann schwebt vor, dass die Band 2011 fast nur im Ausland spielen soll. Um dann mit einer dritten Platte auf Heimattour zu gehen.



 
Datum: vom 02.08.2010
Publikation: PNP
Autor/-in: Raimund Meisenberger
 
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