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Hans Söllner
Söllner ist immer noch Söllner
 
Der 54-Jährige Rebell wird seinem Image gerecht 

„Babylon muss brennen“, schreit der selbsternannte Wanderprediger Hans Söllner den Leuten an der Ortspitze entgegen. Immer noch lehnt er sich auf gegen „die da oben“, die Mächtigen, die Gierigen, die Ruhmsüchtigen und die Rücksichtslosen. Immer noch kämpft er für die Freiheit, die Würde des kleinen Mannes und dessen Recht auf Selbstbestimmung und Selbstentfaltung. Seine Feindbilder sind mit Politikern und Polizisten immer noch die gleichen. Thematisch bewegt er sich immer noch am Puls der Zeit: Krieg, Steuer- und Bankenskandal, Vergewaltigungen, Olympia-Bewerbung, Brunner-Prozess - und das in der gewohnt deutlich-derben Sprache: bayerisch-unverblümt, unkompliziert, auf den Punkt. Er sagt das, was ihm nicht passt und ihm zuwiderläuft so, wie er es immer gesagt hat.

Wer am Donnerstag ins überhitzte Eulenspiegel-Zelt kam mit der Vorstellung, den Original-Söllner mit allen bekannten Facetten und Wortspielereien zu sehen, der wurde nicht enttäuscht. Trotz seiner mittlerweile 54 Jahre wird der „wuide Hund aus Reichahoi“ seinem Image immer noch gerecht. Er ist vielleicht nicht mehr so zornig, so verbittert, so bärbeißig und grantlat wie zu Beginn seines Schaffens. Doch der Rebell, der in ihm steckt, dringt immer noch in lautstarken Tönen, heute mit einem Hauch mehr Gelassenheit und Entspanntheit, an die Oberfläche.

Auch seinen Humor hat er nicht verloren. Gelacht haben er und sein gemischtes Publikum an diesem Abend viel - zum Beispiel über Führerscheine. Söllner will seinen Lappen in Anspielung auf die geplante Strafmaßnahme Führerscheinentzug künftig vor der Polizei verstecken, „weil ich ihn ehrlich g’sagt aa gean hob.“ Wie ein roter Faden zieht sich der Führerschein-Witz in abgewandelter Form durch das Konzert, blitzt zwischen Söllner-Klassikern wie „Hey Staat“ und dem „Marihuana-Bam“ immer wieder hervor. Über das von Sebastian Frankenberger per Volksentscheid durchgesetzte Rauchverbot in Kneipen ist er nicht traurig: „Weil das, was ich rauche, darf ich draußen auch nicht rauchen.“ Ein kleiner Lapsus passiert dem Rastafari-Anhänger, als er sich bei „Hey Staat“ zweimal verspielt, die richtigen Akkorde nicht findet - verursacht durch ein plötzliches Erscheinen von Außenminister Guido Westerwelle vor seinem inneren Auge.
Musikalisch unterstützt wurde Söllner von seiner Sechs-Mann-Band „Bayaman’Sissdem“, die mit rhythmischen Reggae-Klängen das Publikum in Schwingung versetzt hat. Fazit des Abends: Söllner ist immer noch Söllner - nicht mehr, aber auch nicht weniger.



 
Datum: vom 24.07.2010
Publikation: PNP
Autor/-in: Stephan Hörhammer
 
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