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Martina Schwarzmann
Dorfratsch’n beim Tirilieren
 
Martina Schwarzmann lästert für die Eulenspiegel-Besucher 

Die Eulenspiegel-Veranstalter kamen mit dem Nachbestuhlen kaum nach am Mittwoch bei Martina Schwarzmann: Rund 1000 Zuschauer haben über diesem staubtrockenen Musikkabarett die Schwüle komplett vergessen.

Auch mit dem neuen Solo „So schee kons lebn sei“ bleibt die Schwarzmann (31), die angeblich gar kein Erfolgskonzept hat, eben diesem treu. Und das geht so: Sie schildert vom Leben als Landei, stammt von einem Bauernhof bei Fürstenfeldbruck mit einem zynischen Vater, einem älteren Bruder und zwei jüngeren Geschwistern. Mit 15 Jahren begann sie eine Kochlehre, weil, „wennst guad kocha konnst, konnst so greislich gar ned sei, dass’d koan Mo ned findst“. Mit ihrem Englisch ist es nicht weit her: „Weil, vom Dorf zum Gymnasium waren es elf Kilometer, bis zur Realschule 3,5 und bis zur Hauptschule dreieinhalb Kilometer. Da darf man in Zeiten vom Klimawandel nicht egoistisch sein!“ Die schwarzhumorige Schwarzmann plaudert und tiriliert mit Klampfe scheinbar unbekümmert aus dem vielen im Publikum vertrauten Alltag auf dem Land. Auf Dorfpartys bekommen Bierleichen Flips in die Pofalte, die Langhaarigen werden am Biertisch festgetackert. „Ich lege eine Schere dazu. So kann er sich beim Aufwachen selbst aussuchen, mit welcher Frisur er rumlaufen mag.“ Wo gleich gar nichts mehr los ist, ist der Platz für ein Wellness-Hotel. Und seit die Kabarettistin ein Baby hat und stillt und dafür dauernd viel essen muss, ist ihre Hochachtung vor Kühen immens gestiegen: „Was die für ein Glas Milch alles getan haben, Respekt!“

Das hat die allerbeste Manier einer Dorfratsch’n. Vieles klingt authentisch. Da lässt sich so ziemlich jeder Beziehungslästern und Gesellschaftskritik gefallen, folgt der staubtrockenen Satirikerin zu ganz anderen Perspektiven - auf Minderheiten, auf Mauerblümchen, auf Spießbürgertum: In ihrem Dorf gibt es einen, „dem sein Haus ist so hässlich, dass sie dort nimmer mit seinem Namen über ihn reden, sondern von dem mit dem greislichen Haus“. Er selber aber hat’s super: Wenn er aus dem Fenster schaut, sieht er nur schöne Häuser. Streit in der Mann-Frau-Sache heißt bei Martina Schwarzmann G’schiß. Richtig großer Ärger ist G’schiß de Luxe: „Was könnte die Menschheit leisten, wenn sie nicht so viel Energie verschwenden tät’ mit G’schißmachen!“ Zu diesen Verschwendern gehört die nur vordergründig derbe Schwarzmann nicht. Sie feilt am nächsten Programm. Die beiden Kostproben, die sie in Passauer Welturaufführungen gab, kamen an. So schee kanns Leb’n sei!

 
Datum: vom 23.07.2010
Publikation: PNP
Autor/-in: Christian Karl
 
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Eulenspiegel