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Eintrittskarten gibt’s nur noch mit Schwimmwesten
 
Zeltfestival-Veranstalter Till Hofmann spielen regelmäßig Klimaspielchen und Wetter-Wirr-Warr bei seinen Kluturveranstaltungen böse mit


Bei Till Hofmann (39) und seinem Eulenspiegel-Zeltfestival gibt es schon fast traditionell das Programm neben oder sogar im Programm. Regelmäßig spielen dem  Kulturmacher Klimaspielchen und Wetterwirrwarr übel mit. Am Samstagabend  sammelten sich nach einem Wolkenbruch tausende Liter Wasser auf dem Zeltdach, das sich über den Köpfen der Zuschauer wölbte, die gerade den österreichischen Kabarettisten Alf Poier verfolgten. In der Vergangenheit sorgten bereits mehrfach Hochwasser mit  Evakuierungsaktionen und Orkanböen für Improvisationskunst bei dem Festival an der Ortspitze.


Sollte man nicht allmählich auch die  Begriffe  „außerkulturelle Überraschungen und  Erlebnisgarantie“ ins Programmheft mitaufnehmen?
Till Hofmann: Jetzt kann man es ja sagen: Das Ganze am Samstagabend war provoziert und organisiert. Es war ja fast schon zu schön in der ersten Festivalwoche und schon eine peinlich poetische Kunstnacht mit übertrieben blauem Himmel. Da wollten wir halt mal einen kleinen Kontrapunkt ins Programm setzen und haben mit einer gigantischen Regenanlage gearbeitet und damit auch der Ilzer Feuerwehr einen nichtalltäglichen beherzten Einsatz ermöglicht (lacht).

Was war für Sie eigentlich das bisher dramatischste Wettergeschehen an der Ortspitze.
Für die 16 Jahre ist eigentlich an diesem ungewöhnlichen Veranstaltungsort eher wenig passiert. Aber man merkt sich halt einfach, wenn  der Sturm mal sauber übers Zelt fegt oder wegen einer Orkanwarnung Django Asül abgesagt und  verlegt wird. Auch war die Aktion im vergangenen Jahr spektakulär, wo die Leute, nachdem das Hochwasser binnen einer Stunde um einen Meter stieg, sportlicherweise durch eine Altstadtmauer  steigen mussten, um wegzukommen. Bei uns  wird den Besuchern manchmal auch etwas abverlangt. Das ist ein bewusster Programmteil. Und das jetzt mit der Wasserblase auf dem Zelt kann halt mal passieren bei fliegenden Bauten. Aber binnen fünf Minuten war das abgepumpt. Und zudem war  an dieser Stelle eh eine Pause im Poier-Programm vorgesehen.

Hören Sie eigentlich im Vorfeld nie auf den Wetterbericht oder schauen mal ins Internet?
Wir hätten versucht zu reagieren und wollten die Regenwolken  über Pocking von Bundeswehr-Tornados abschießen lassen − aber das ist nicht genehmigt worden. Nein, im Ernst: Freilich achtet man auf Wetterprognosen. Aber oft sind Wasserstandsmeldungen unzuverlässig oder es wird in Ingling eine Schleuse aufgemacht.

Haben Sie als Veranstalter an Stätten mit solchen überraschenden Wettereffekten eine besondere Ausbildung als Katastrophenhelfer oder THWler?
Ich habe  im Neustifter Freibad mal das Seepferdchen erworben  und den grünen Gürtel im Judo − das sollte  reichen. Und die Leute, die hier arbeiten, sind sehr fit, wenn’s mal brisanter wird.

Gibt’s nach all den Erfahrungen mit dem Wetter irgendwelche Vorkehrungen für die künftigen Festivals?
Ja, künftig gibt’s  Eintrittskarten nur noch zusammen mit Schwimmwesten.


 
Datum: vom 20.07.2010
Publikation: PNP
Autor/-in: Christian Karl
 
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