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RAUSCHENDE KUNSTNACHT
 
Musik, Maler und Merkel im roten Badeanzug

Passau - In der Höllgasse versucht Kanzlerin Merkel im knappen roten Badeanzug den wilden europäischen Stier zu zähmen. Die Kunstnacht, das größte Altstadtfest der Dreiflüssestadt, lässt mit seinen Exponaten viel Raum für Fantasien. Ob Merkel bei ihrem Ritt auf dem schwarzen Bullen auch so heiß werden würde, wie wir uns gerade fühlen?

Die schwüle Nachtluft verlangt nach vielen kühlen Drinks. Wir lassen uns treiben durch die Kunstnacht, wie sich seit elf Jahren Passaus größtes Altstadtfest nennt. Fast vierzig Galerien, Lokale und Läden sorgen dafür, dass sich das Leben in Gassen und auf Plätzen trubelt, als wären wir im "Bairro Alto" von Lissabon.

Im lauschigen barocken Innenhof vom Gymnasium Leopoldinum, dem ehemaligen Jesuitenkloster, bebt die breiteste Musikbühne der Nacht. Der Sänger von der Band "The Groove Kisses" wischt sich zum wiederholten Mal mit einem Handtuch den Schweiß aus dem Nacken und nimmt zwischen den Musikstücken einen tiefen Schluck aus der Mineralwasserflasche.

Im einem Gewölbelokal schwitzt der Wirt mehr als die Gäste, weil die Schlange vor seiner improvisierten Caipirinha-Bar am Hinterausgang immer länger wird. Und in der Schustergasse hat eine blonde Bedienung gerade einen Sack voller Eiswürfel von einem benachbarten Restaurant gekauft. Damit der orangerote "Aperol Sprizz" (Weißwein, Sprudel, bittersüßer Likör), serviert im großen, bruchsicheren Plastikbecher, der Renner des Abends bleibt. Nur eisgekühlt schmeckt das italienische Trendgetränk am besten. Das kleinste Lokal der Stadt, im Freien hübsch angerichtet mit weißen Jugendstilstühlen, hat die gesamte Gasse erobert.

 "Passau mit allen Sinnen", wählt heute der Lokalchef der Heimatzeitung als Überschrift für seinen Kunstnachtbericht. Ein Fest der Sinne fürwahr. Barfuß laufen junge Menschen über wohlig warme Pflastersteine, an Hausecken verwebt sich der Hall von Tangogeigen und Jazzgitarren zu einem betörenden Klang, aus gotischen Hausgewölben strömt der kühl-modrige Wohlgeruch von tausend Jahren und an improvisierten Tafeln feiern Nachbarn bei flackerndem Kerzenschein und herbfrischem Wein bis zum Morgen.

So berauschend könnten die Passauer Sommernächte lange noch sein.
 
Datum: vom 19.07.2010
Publikation: Bürgerblick
Autor/-in: Hubert Denk
 
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