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Günter Grünwald
Hemdsärmeliger Dampfplauderer
 
Günter Grünwald begeistert mit seinem Spintisieren 

Mit seinem siebten Solo „Gestern war heute morgen“ hat Kabarettist Günter Grünwald mühelos am Montag das Eulenspiegel-Zelt mit Zuschauern gefüllt.
Grünwald (53) kennt Passau von Gastspielen, seit er hier 1988 das Scharfrichter-Beil gewann und 1994 mit Sigi Zimmerschied und etlichen Kollegen den Episodenfilm „Schartl“ drehte. Würde man den Ingolstädter vor die Wahl stellen, nach Passau oder Heidelberg umzusiedeln, „da täten wir, ahem, schon was finden“. Soll heißen, Heidelberg ist ihm zu geschleckt, „da wartest du drauf, dass der Fremdenführer dir Hausschuhe hinstellt. Passau hingegen, das ist „dreckat, also, authentisch halt, da siehst, in diesen Häusern leben Menschen. In Passau brauchst Gummistiefel, das weißt du!“
Grünwald ist albern und g’schert. Er mag derbe Sprache und er kann wunderbar spintisieren. Dabei ist dem puristischen Dampfplauderer nichts und niemand heilig, Tabus sind zum Brechen da. Die geballte Gesellschaftskritik wird erst auf den dritten oder vierten Blick klar. So man überhaupt zum Reflektieren kommt, weil der Solokabarettist thematisch schon wieder ganz woanders ist. Grünwald hat überhaupt nichts gegen Zeugen Jehovas und gegen Muezzins. Aber lästig soll ihm halt keiner der Genannten werden: „Freie Religions-Ausübung ja. Aber bitte leise!“ Er hat ja selber so eine blöde Religion. Da haut man sich regelmäßig mit einer genagelten Dachlatte aufs Knie und singt dazu ,Ödel di dödel, ich hab Hunger auf Knödel`. Wir hinterfragen das nicht. Dafür ist es ja Religion.“
Grünwald ist außerdem einer, der ein Handy für eine Art Telefon hält. Noch immer passiert es, wenn ein Jugendlicher ihm ein Mobiltelefon entgegenstreckt, dass er es einfach nimmt, weil er glaubt, da sei ein Anruf für ihn. Dabei hätte der greinende Jüngling ihn nur fotografieren mögen. Oder diese vielen digitalen Fernsehprogramme, die Grünwald neuerdings anschauen kann. Da waren neulich lauter nackerte Frauen, die ihn aufforderten, sie anzurufen. Aber er kennt die ja gar nicht. Was soll er denn da reden mit denen? Und dann diese „Gays in meiner Umgebung. 46 Lederschwule im Nachbarhaus?!“
Günter Grünwald hat durch seine wöchentliche Fernsehpräsenz seit 2003 an Bekanntheit, mit all der Comedy nicht aber unbedingt an Niveau gewonnen. Grünwald bleibt Geschmackssache. Er kann grob bis platt sein, dann wieder köstlich hintersinnig in der Tradition eines Karl Valentin. Das Publikum im ausverkauften Eulenspiegelzelt jedenfalls hat seine Phantastereien genossen. Und ließ sich prustend ausreden, ihn noch viele Male auf die Bühne zu klatschen. „Wenn jetzt einer ins Zelt lugt, was denkt denn der von uns? Da geht einer dauernd rein und raus und Sie klatschen dazu? Der ist doch froh, dass er sich keine Karte gekauft hat…“

 
Datum: vom 14.07.2010
Publikation: PNP
Autor/-in: Christine Pierach
 
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