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Blickpunkt Spot Spezial
Otti Fischer und die große Freiheit
 
Nach 20 fremdbestimmten Jahren genießt der Kabarettist heute die Unabhängigkeit - Live beim Passauer Zeltfest

Über ein paar Ecken hat die Finanzkrise sogar einen guten Einfluss auf die Kunst: Zwar kommen durchaus weniger Leute in sein Programm „Wo meine Sonne scheint“, das er im Juni 2008 uraufgeführt hat, aber dafür wollen wieder mehr echte Kabarettfreunde Ottfried Fischer sehen und hören. „Früher haben die Leute gesagt: Heut schau ma uns den an, den ma ausm Fernsehen kennen“, sagt Fischer im Gespräch mit der PNP. „Heute sagen die: Den brauch ma uns ned anschaun, den kenn ma eh schon ausm Fernsehen.“ Was für die Stimmung im Saal gar nicht so schlecht ist.

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Dem Katholischen bleibt er treu
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Seine Kabarettsendung „Ottis Schlachthof“ im BR, die Künstlern wie Martina Schwarzmann, Michi Altinger und Django Asül den nötigen medialen Schub gegeben hat, holte bayernweit zuletzt 20 Prozent Einschaltquote, fast eine Million Zuschauer sahen bundesweit zu. „Kabarett wird von den Quoten her nie so stark sein wie Comedy - aber Kabarett wird immer besser sein“, sagt Fischer - und fügt so einen Satz hinzu, wie er ihn gerne im „Schlachthof“ sagt. Kurz, trocken, schnell: „Comedy ist höchstens die Blondine des Kabaretts.“
Dass er am 19. Juli auf dem Eulenspiegel-Festival an der Passauer Ortspitze beim Benefizabend für die Lebenshilfe mitmacht, ist für den gebürtigen Untergriesbacher „zunächst eine katholische Grundhaltung“. Und katholisch ist Fischer immer noch. „Damit zeigt man eine gewisse Dankbarkeit dem Schicksal gegenüber.“ Sagt ein Mann, der 2008 seine Parkinsonkrankheit öffentlich gemacht hat, von einem schweren Gang und dieser maskenhaften Mimik gezeichnet ist, die viele lange noch für Schauspielerei hielten. Doch Ottfried Fischers freundliche Augen glitzern noch immer, es geht ihm sichtlich gut, wie er hier - Freundin Simone Brandlmeier an seiner Seite - auf der Terrasse am Passauer Donauufer sitzt, fast kettenraucht und auch nach der Pressekonferenz lange noch eine Pointe nach der anderen abschießt.
Gesundheitlich ist „alles bestens“, sagt Fischer. „Ich kann alles machen, was ich mir vornehme, und ich nehme mir immer noch viel vor. Ich habe zum Beispiel gestern ein Buch fertiggeschrieben, das ich zusammen mit dem Fotografen und Filmemacher Roger Fitz herausbringe.“ „Bayern extrem“ soll das Werk heißen, für das Fischer sieben Essays von Katholizismus über Vereinswesen bis Allianz Arena geschrieben hat.

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Mit Passauer Musiker beim Griechen
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Vorgenommen hat er sich auch, im September noch mal einen „Pfarrer Braun“ zu drehen - das einzige Filmvorhaben derzeit, da sich Fischer nach „20 Jahren Fremdbestimmung“ jetzt lieber auf andere Projekte konzentriert. Auf sein Solo „Wo meine Sonne scheint“ etwa, mit dem er schon seit zwei Jahren unterwegs ist. Oder auf seinen monatlichen Abend im Schwabinger Restaurant Kalypso, wo er unter dem Namen „Otti und die Heimatlosen“ mit vier Musikern auftritt - darunter auch der Passauer „Dadaist an der Posaune“ Leo Gmelch: ein Kabarett-Volksmsik-Jazz-Nonsens-Labor, in dem alles erlaubt ist. „D’ Leut mögen’s, auch wenn’s nix damit anfangen können.“
Was genau er bei seinem Auftritt in Passau spielen wird, weiß Fischer noch nicht. Er überlegt kurz. Schweigt. Und sagt dann: „Wahrscheinlich werde ich doch wieder die volkstümliche Musik beschimpfen. Weil sie so viel Glückseligkeit verbreitet. Mann muss dann nur noch ,Achtung, Ironie!‘ dahinterschreiben.“


 
Datum: vom 12.06.2010
Publikation: PNP
Autor/-in: Raimund Meisenberger
 
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