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Eine glänzende Premiere
 
Neue Passauer Reihe „Jazz im Zelt“ überzeugt musikalisch auf ganzer Linie
 
Ein gehaltvolles Doppelkonzert im Zelt an der Passauer Ortspitze boten die internationalen Passauer Jazztage mit dem Allround-Blueser John Lee Sanders und dem herausragenden Us-Tenorsaxofonisten David Murray. Eine Kurzbeschreibung lieferten die Bandleader selbst. „Alles kommt vom Blues“, meinte Sanders zur Musik seiner World Blue Band, die zwischen New Orleans und Rhythm ’n’ Blues, Boogie-Woogie, Funk, Gospel und Popsong changiert. „Alle fantastische Musiker“, meinte Murray über seine Mitspieler im Black Saint Quartet, die extrem dichten und dynamischen Modern Jazz mit ausgeprägten Eigenarten färben.

Die Bluesband musste zunächst etwas für die Stimmung tun. Denn die war durch Regen, späten Einlass und lange verzögerten Beginn gegen null gesunken. Der Band geland dies mit einem wuchtigen Sound von E-Gitarre, Bass, Orgel und einem Schwermechaniker am Schlagzeug. Sanders lenkt das Geschehen in mehrfacher Funktion: als versierter Bluespianist und gefühlvoller Singer-Songwriter am Flügel, und mit erdigen Einlagen am Tenorsaxofon. Lediglich Gitarrist Frank Folgmann setzt zusätzliche Akzente, erst spät auch Helmar Hill an der Orgel. Jedes einzelne Stück wird zur stilistischen Kurvenfahrt, gesteuert von Sanders’ tiefer Verbundenheit mit den verschiedenen musikalischen Wurzeln und großer Spielfreude.

David Murray vergeudet anschließend keine Sekunde, sich als charakterstarken Saxofonisten zu präsentieren. Er jagt sein Tenorsax durch die Oktaven und über den Tonumfang hinaus, integriert überblasene Obertöne harmonisch in sein kraftvolles Melodiespiel. Für Sentimentalität bleibt auch in Balladen wenig Platz. Dazu treibt jeder Musiker im Quartett zu stark voran: der junge Lafayette Gilchrist, ein Shootingstar unter den Pianisten, der charismatische Jaribu Shahid am Kontrabass und der feinfühlige Drummer Hamid Drake, der auch in Reggae-, Soul- und Rockbands spielt und afrikanisches Percussion-Feeling einfließen lässt. Umso faszinierender sind die Momente, wo sich die Musiker nach einem von vielen starken Solos ohne Umschweife wieder zusammenfinden. „Yes We Can“ heißt ihre Zugabe nach frenetischem Beifall - und das bleibt ohne jede Frage.

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Gestern in Paris, morgen in Budapest. Und dazwischen? Dazwischen schauten vier legendäre Jazz-Größen am Mittwochabend mal eben beim Eulenspiegel-Jazzfestival in Passau vorbei und brachten das Publikum dort derart in Ekstase, dass schon beinahe Michael-Jackson-Parallelen auf der Hand liegen. „Mike Stern Band“ - so der schlichte Titel für die Vereinigung des Fusion-Gitarristen Mike Stern, des Saxofonisten Bob Franceschini, des Bassisten Tom Kennedy und Dave Weckls am Schlagzeug. Möchte man es kürzer sagen: vier Stars auf Tour. Stern legt los mit einer Power, die den Kopf frei pustet, - angetrieben vom fantastischen Dave Weckl, der vollendet und locker alle Facetten des Schlagwerks ausschöpft.

Mike Sterns großartiger Gegenpart ist Tom Kennedy am E-Bass, der funkig die Grundmuster legt und sich in seinen Improvisationen mit sichtlichem Spaß mit Mike Stern duelliert. Die oft sängerisch weittragenden Melodielinien, die mal pure Hitze, mal aber auch sehnsuchtsvolle Melancholie sind, spielt Bob Franceschini mit vollem, gewaltigem Ton, lässt das Saxofon seufzen und lustvoll singen. Im Publikum schwirrt einem der Kopf angesichts der geballten Jazz-Virtuosität auf der Bühne - man möchte den Moment festhalten und spürt ein unheimliches Schaudern angesichts der Lässigkeit und Entspanntheit, mit der die vier mal so eben den Saal zum Kochen bringen, um dann lachend und feixend von der Bühne zu gehen. So verlässt man am Ende das Zelt mit seligem Lächeln und der Ahnung, gerade eben einen ganz großen Moment des Jazz erlebt zu haben.

In Sachen Besucher können die Veranstalter der neuen Musikreihe im Eulenspiegel-Zelt, Paul Zauner, Jürgen Waldner, Sebastian Ambrosius und Till Hofmann noch kräftig zulegen, in Sachen Qualität haben sie eine glänzende Premiere hingelegt.

 
Datum: vom 10.07.2009
Publikation: PNP
Autor/-in: Gabriele Blachnik & Dorothea Feuchtgruber
 
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Eulenspiegel