STARTSEITE PROGRAMM ARCHIV TICKETS ZELT PRESSE PARTNER
Han’s Klaffl
Lehrer in Bayern - die pure Satire
 
Der Lehrer als Diktator, der Schüler als Stinktier, die Eltern als Besserwisser: Kabarettist Han’s Klaffl bringt den Wahnsinn Schule auf die Bühne

Wegen dem Genitiv macht er sich eh keine Hoffnungen mehr, der ist tot. Die Zukunft gehört dem Apostroph, und sei er auch so absurd falsch wie bei den „CD’s“ oder in „Rudi’s Würstlbude“. In weiser Voraussicht auf die nächste Rechtschreibreform baut der gebürtige Töginger Kabarettist Hans Klaffl den „Deppenapostroph“ gleich in seinen Namen ein und füllt in Oberbayern als „Han’s Klaffl“ mit dem Programm „40 Jahre Ferien - ein Lehrer packt ein“ Säle mit bis zu 1000 Plätzen.
„Woher kennen Sie denn den Kollegen Soundso?“

Jetzt macht sich der 59-Jährige daran, den Osten Bayerns zu erobern - mit Geschichten über Gärungsprozesse im Sportsackerl und über Kollegentypen vom Waschlappen bis zum Pult-Diktator. Dass überhaupt noch jemand mit ihm spricht, ist fast ein Wunder, denn Klaffl ist Lehrer. Keine einzige Episode hat er frei erfunden, sein Programm ist schlicht das Beste dessen, was er als Musiklehrer seit 1976 am Gymnasium in Haar bei München erlebt hat. Doch obwohl Schüler mitunter die reale Vorlage der Nummern haarscharf erkennen, obwohl Lehrer von fremden Schulen ihn fragen: „Sagen Sie, woher kennen Sie denn den Kollegen Soundso?“ - dennoch von Ablehnung keine Spur.

„Das ersetzt eine Psychotherapie“, sagen Kollegen im Gegenteil gern, nachdem sie den energetischen Grauschopf auf der Bühne reden, singen und spielen gehört haben. Und die parodierten Schüler lachen sich schlapp und bestätigen: „Genau so ist es!“ Dass Klaffl mehr auf die Schulter geklopft als gegen das Schienbein getreten wird, dürfte an seinem einfühlenden Wesen liegen. Und an einem Humor der „liebevollen Ironie“, wie er es nennt. „Viele trauen sich im Unterricht keine Ironie rauszulassen aus Angst, ihre Autorität könnte darunter leiden“, sagt er. Tatsächlich aber schätzt es jeder Schüler, wenn sich einer nicht gar so ernst nimmt. In Zeiten des Massen-Burn-outs bei Lehrern müsste Klaffl im Grunde eine Sonderzulage bekommen dafür, dass er das Lachen über sich selbst in die Herzen zurückbringt.

Das Rätsel bleibt: Wie kann es sein, dass Lehrer und Schüler dieselben Dinge lustig finden? Eine These Klaffls lautet: „Der Lehrer ist die Fortsetzung des Schülers mit anderem Gehalt“ - was so viel heißt wie: Lehrer verhalten sich wie Schüler, sobald sie die Chance dazu bekommen. „Bei Fortbildungen kämpfen wir am Nachmittag genauso mit dem Schlaf - oder kämpfen eben nicht. Wir führen uns auf und schwatzen, wenn es uns nicht interessiert. Man muss nur mal die Seite wechseln!“ Für die Eltern im Kabarett bedeutet das kollektiver Musikunterricht mitsamt Singen, Blockflötespielen und „Üben, bis es sitzt!“ Bisher hat Klaffl es immer geschafft, sein Publikum dafür zu begeistern. Vielleicht weil er ein guter Pädagoge ist, zu dem ehemalige Schüler noch nach Jahren Kontakt halten. „Vielleicht auch nur aus dem alten Reflex heraus, weil da ein Lehrer vorne steht.“ Da ist sie wieder, die Selbstironie eines Lehrers, der als Abiturient 1970 mit seiner Klasse in Mühldorf die Abschlussfeier boykottiert hat, weil „das System sich dort selbst feiert“. Der Lehrer, der noch locker zwei, drei Programme aus seinem Zettelkasten entwickeln kann.

Sechs Jahre hat er noch zu arbeiten. Teilzeit, wegen des Kabaretts. Lehrer ist er immer noch gern. „Wer hat denn so eine Abwechslung im Beruf?“ Klaffl liebt seinen Beruf und seine Schüler, auch wenn die sich zwischendurch zu „Pseudomachos“ entwickeln oder sich „aufstylen wie die Pfingstochsen“. Und zum Glück ist es nur Ironie, wenn er auf der Bühne behauptet, er wüsste selbst nicht, warum er Lehrer geworden sei. „Ich wollte eigentlich immer lieber was mit Menschen machen.“

 
Datum: vom 09.07.2009
Publikation: PNP
Autor/-in: Raimund Meisenberger
 
« zurück zur Presse
 
Eulenspiegel